Aufenthalts- und Arbeitsvisum

Probleme mit Aufenthalts- oder Arbeitsvisum

Sie leben in Österreich und haben keine klare Antwort auf zahlreiche für Sie komplizierte Fragen bezüglich Aufenthaltsrechts und Mangelberufe.

Der Verein PRIVILEG bietet Ihnen pro bono, in Zusammenarbeit mit zahlreichen erfahrenen Experten auf diesem Gebiet die bestmögliche Lösung. Zusammen mit unserem Team werden die komplizierten, kostspieligen und meist langwierigen Rechtswege einfach, sicher und schnell.

Ziel unseres Vereins ist es Ihre Interessen zu vertreten.

Die von unseren Mitgliedern am häufigsten gestellten Fragen bezügl. des österr. Visums/Aufenthaltstitelsrechts sowie der Familienzusammenführung:

  • Darf ich während der drei erlaubten Monate, die ich hier als Tourist verbringen darf, den Antrag auf einen Aufenthaltstitel in Österreich stellen?
  • Wer kann einen Aufenthaltstitel in Österreich bekommen, welcher auch das Recht auf Beschäftigung beinhaltet?
  • Darf ich in Österreich auf meinen Aufenthaltstitel warten, auch wenn das Erteilungsverfahren länger als drei erlaubte Monate dauert?
  • Wieviel muss ich monatlich verdienen, damit ich meine Familie nach Österreich holen darf?
  • Wie groß muss meine Wohnung sein, damit man mir erlaubt, meine Familie nach Österreich zu bringen?
  • Welches sind die allgemeinen Voraussetzungen für die Erteilung eines österreichischen Aufenthaltstitels?
  • Wie lange muss man auf die Erteilung des Aufenthaltstitels für meine Familienmitglieder warten?
  • Wer kann die „rot-weiß-rote Karte“ bekommen?
  • Kann ich in der österr. Botschaft in meinem Land ein Visum bekommen, mit dem ich in Österreich einen Job suchen kann?
  • Wie hoch sind die Kosten für die Erteilung des österreichischen Aufenthaltstitels?
  • Muss ich meinen Aufenthaltstitel persönlich übernehmen?
  • Kann ich meine Dokumentation nachträglich ergänzen, falls mir etwas bei der Antragsstellung gefehlt hat?
  • Muss ich unbedingt Deutsch auf Niveau A1 können, damit ich den ersten Aufenthaltstitel bekommen?
  • Welche Familienmitglieder darf ich im Rahmen der Familienzusammenführung nach Österreich holen?

Österreichische Aufenthaltstitel – Antragstellung und Erteilung des ersten Aufenthaltstitels

Wo wird der Antrag gestellt und was passiert danach ?

Die Anträge auf Erteilung eines Aufenthaltstitels werden in der diplomatischen Vertretung der Republik Österreich im Ausland gestellt. Die Botschaft überprüft, ob die formalen Kriterien erfüllt worden sind und leitet dann den Antrag und die Dokumente an die zuständige Aufenthaltsbehörde in Österreich weiter. Wenn ein Dokument oder der Beweis über die Deutschkenntnisse (A1) fehlt, ersucht die Botschaft den Kandidaten, das nachzureichen. Falls er dieser Forderung nicht nachkommt wird das Verfahren eingestellt. Der Bescheid über den erteilten Aufenthaltstitel wird ebenfalls durch die Botschaft im Heimatland zugestellt. Die Person, welche ihn bekommen hat reist im Anschluss nach Österreich, um dort den Aufenthaltstitel (die Karte) persönlich zu übernehmen. Wenn das binnen 6 Monaten ab der Zustellung des Bescheides nicht passiert, verliert der Aufenthaltstitel seine Gültigkeit.

Notwendige Unterlagen und Kosten

  • Die Gültigkeitsdauer des Reisepasses muss die Befristung des Aufenthaltstitels jedenfalls übersteigen.
  • Persönliche Dokumente, Beweise über die Erfüllung der allgemeinen Voraussetzungen für die Erteilung, Führungszeugnis aus der Heimat usw. müssen vom gerichtlich beeideten Dolmetscher übersetzt und beglaubigt werden.
  • Es ist eine Verwaltungsgebühr in Höhe von € 120,– zu entrichten, wobei schon bei der Antragstellung € 80,– pro Erwachsenen und € 50,– pro Minderjährigen zu zahlen sind. Zusätzliche Kosten entstehen wegen der Überprüfung der Identität und Bearbeitung der Dokumente.

Wer darf den Erstantrag auf Erteilung eines Aufenthaltes in Österreich stellen ?

  • Familienmitglieder der österreichischen Staatsbürger, wenn sie nach Österreich ohne Visum einreisen dürfen, und nicht länger als 90 Tage innerhalb von den letzten 6 Monaten hier geblieben sind.
  • Eltern, für ihr Kind das in Österreich geboren wurde, binnen 6 Monaten nach der Geburt, wenn sie selbst einen gültigen Aufenthaltstitel besitzen.
  • Besonders hoch qualifizierte Ausländer dürfen in Österreich einen Antrag auf sgn. RWR-Karte stellen, jedoch nur dann, wenn Sie sich legal in Österreich aufhalten (entweder ohne Visum, weil es nicht vorgeschrieben ist, oder z.B. mit dem Visum D für die Arbeitssuche, die sie von der österreichischen Botschaft in der Heimat bekommen haben).

Darf man dann in Österreich auf die Erteilung des Aufenthaltstitels warten ?

NEIN !

Im Falle, dass das Verfahren zur Erteilung länger als der erlaubte Aufenthalt dauert, muss der Kandidat zurück in seine Heimat reisen und dort auf den Bescheid warten. Wer er das nicht macht, bekommt er keinen Aufenthaltstitel, muss eine Strafe zahlen und Österreich verlassen.

ANMERKUNG: Wenn ein Drittstaatsangehöriger Familienmitglied eines EU-Bürgers ist, dann kann er den Antrag nur in Österreich stellen.

Wie verläuft das Erteilungsverfahren und wie lange dauert es ?

  • Der Antrag muss persönlich gestellt werden und der Aufenthaltstitel muss persönlich übernommen werden (wenn der Kandidat älter als 14 Jahre ist).  
  • Der Aufenthaltszweck muss eindeutig sein. Das heißt, dass man während des laufenden Verfahrens nicht mehrere Anträge stellen darf. Wenn der Antrag nicht eindeutig ist, wird er abgewiesen werden. Wenn während der Erteilung festgestellt wird, dass ein anderer Aufenthaltszweck notwendig ist, informiert die Behörde den Kandidaten darüber und er hat die Möglichkeit den Zweck zu ändern.  
  • Die zuständige Behörde sammelt alle Daten, die für die eindeutige Identifizierung des Kandidaten notwendig sind (Foto, Personenbe- chreibung, Fingerabdrücke). Jede Adressänderung während des Prozesses muss umgehend gemeldet werden.
  • Die Behörde hat 6 Monate, um den Bescheid zu erlassen. Für die RWR-Karte ist eine Frist von 8 Wochen vorgesehen, dies alles kann in der Praxis viel länger dauern, insbesondere bei der Familienzusammenführung.

Heilung von Verfahrensmängeln während des Verfahrens

Wenn es dem Kandidaten nicht gelingt, alle Dokumente zu besorgen und persönlich vor der Behörde zu erschienen, wird der Antrag wegen der formalen Mängel zurückgewiesen. Ein gut begründeter Antrag mit Beweisen für die Nachreichung von Dokumenten darf nur bis zur Erlassung des Bescheides gestellt werden. In solchen Fällen wird eine gute juristische Beratung empfohlen.

Österreichischer Aufenthaltstitel – Allgemeine Voraussetzungen für die Erteilung

Der Kandidat

1) darf keine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit darstellen

Diese Voraussetzung kann niemand erfüllen, der illegal in Österreich war (ist) und hier „schwarz“ gearbeitet hat (wenn die Behörde darüber erfährt). Die Behörde muss im Falle einer Ablehnung auch begründen.

2) muss die gesicherte Unterkunft haben  

Als Beweise über eine ortsübliche gesicherte Unterkunft gelten Miet- und Untermietverträge, Vorverträge oder Eigentumsnachweise. Es gelten auch Wohnrechtsvereinbarungen oder familienrechtliche Benützungsrechte (z.B. an der Ehewohnung). Ist das Benützungsrecht jederzeit widerrufbar, etwa weil ein Freund vorübergehend dem Kandidaten erlaubt bei ihm zu wohnen, ist diese Voraussetzung nicht erfüllt. Die Wohnung darf nicht zu klein sein, kein Überbelag an Personen, bestehende Sanitäreinrichtungen in der Wohnung müssen vorhanden sein und soll sich die Wohnung in einem ordnungsgemäßen allgemeinen Zustand des Hauses befinden.

3) muss eine Krankenversicherung in Österreich haben

Die Versicherung muss alle Risiken decken. Es werden folgende Versicherungsarten anerkannt:  Pflicht- oder Mitversicherung, Selbstversicherung  oder private Versicherung. Wer sich privat versichert, muss in der Regel sechs Monate warten, bevor er Leistungen in Anspruch nehmen kann. Im Falle der Mitversicherung ist die entsprechende Bestätigung ausreichend. Wenn eine gesetzliche Versicherung erst nach der Erteilung des Aufenthaltstitels möglich ist, kann als Beweis auch eine private Versicherung für Touristen akzeptiert werden, welche alle Risiken deckt. Jede Art der Versicherung muss zumindest so lange gültig sein wie auch der Aufenthaltstitel.

4) muss den gesicherten Lebensunterhalt nachweisen

Der Aufenthaltstitel darf nur dann erteilt werden, wenn ein regelmäßiges, eigenes bzw Familieneinkommen vorhanden ist. Die Kosten des Aufenthaltes eines neuen Ausländers dürfen keinesfalls vom Staat getragen werden. Von einem gesicherten Lebensunterhalt kann man ausgehen, wenn der Ausländer, der schon in Österreich lebt (z.B. Ehegatte oder Ehegattin) feste, regelmäßige und ungeschmälerte Einkünfte in der Höhe der Ausgleichszulagenrichtsätze hat. Die Einkünfte werden durch regelmäßige Aufwendungen und Belastungen geschmälert. Die Summe der finanziellen Gesamtbelastung kann einmalig um einen sgn. „Freibetrag“ verringert werden.

  

Einkommensschmälernde Ausgaben sind: Miete, Kreditrate, Unterhaltszahlungen an nicht haushaltszugehörige, dritte Personen (z.B. Ex-Frau, Kinder aus der ersten Ehe)  und Lohnpfändungen (wegen Schulden oder Alimente). Der Ausländer, welcher hier lebt darf keine Sozialhilfe beziehen. Die Ersparnisse können auch akzeptiert werden, falls man mit diesen den Aufenthalt des neuen Ausländers decken kann. Als Einkommensquelle können auch die Vorverträge über die zukünftige Anstellung dienen.

Bei dem Erstantrag werden keine finanziellen Sozialleistungen berücksichtigt, auf die der Anspruch erst durch die Erteilung des Aufenthaltstitels entsteht (wie z.B. Kinderbetreuungsgeld).

Brutto-Beträge für 2017, welche man nachweisen muss:

Eine Person € 889,84; Ehepaare ohne Kinder (nach allen Abzügen) € 1.334,17 fürs freie Verfügen, Ehepaare mit Kindern zusätzlich € 137,30 pro Kind.  Der Freibetrag, welcher „erlassen“ wird beträgt € 284,32. 

Haftungserklärung

Für gewisse Aufenthaltstitel muss eine Haftungserklärung unterzeichnet werden (z.B. Niederlassungsbewilligung Angehöriger von österr. Staatsbürger). Eine Haftungserklärung können auch andere Personen unterschreiben. Das ist aber nur dann möglich, wenn das Gesetz das ausdrücklich erlaubt (z.B. für Schüler, Studierende und Künstler). Die Haftungserklärung muss vor einem österreichischen Notar oder Gericht unterschrieben werden und mindestens 5 Jahre unwiderruflich gelten! Die Person, welche sie unterzeichnet, muss beweisen, dass sie finanziell in der Lage ist, alle Kosten zu übernehmen. Sie muss auch alle Kosten bezahlen, die durch eine Ausweisung dieses Ausländers entstehen würden. Die Unterzeichnung einer solchen Erklärung ist also sehr heikel und man sollte sich das sehr gut überlegen.  

5) muss Deutschkenntnisse auf A1 Niveau im Voraus nachweisen und später die Integrationsvereinbarung erfüllen  

Deutsch muss auf A1-Niveau vor der Einwanderung bewiesen werden. Der Beweis (Diplom eines anerkannten Sprachinstitutes) muss zusammen mit dem Antrag eingereicht werden und darf nicht älter als ein Jahr sein. Befreit von dieser Verpflichtung sind nur Kinder bis 14 Jahre sowie Personen, welche aus gesundheitlichen Gründen oder des hohen Alters nicht erfüllen können. Das muss jedoch ein Amtsarzt bestätigen. Die Familienangehörigen der RWR-Karte für Hochqualifizierte müssen ihre Deutschkenntnisse auch nicht beweisen.

Die Personen, die eine Integrationsvereinbarung unterzeichnet haben müssen binnen 2 Jahren die Integrationsprüfung (A2) ablegen. Ausländer mit Aufenthaltsbewilligung sind nicht verpflichtet das zu tun (z.B. Studenten).

6) es muss einen Quotenplatz für diese Person geben

Die Quote der neuen Ausländer, welche sich aus Drittstaaten ihren Angehörigen in Österreich anschließen wollen, wird jährlich bestimmt.

Zu dieser Quote gehören nicht: Familienmitglieder der österreichischen Staatsbürger, Menschen mit Aufenthaltsbewilligung sowie Besitzer der RWR Karte und Wissenschaftler und Künstler. Die Quote wird für jedes Bundesland bestimmt. Die Anträge neuer Ausländer werden bis zur Erschöpfung der Jahresquote angenommen und die restlichen werden zurückgewiesen. Die Ausnahme stellen die Anträge auf Familienzusammenführung vieler Ausländer, welche nicht zurückgewiesen, sondern solange gereiht werden, bis ein Quotenplatz zur Verfügung steht. Spätestens nach 3 Jahren muss ein Platz erteilt werden.

Wer kann nach Österreich einwandern ?

In den letzten Jahren dürfen nach Österreich ausschließlich hochqualifizierte Ausländer einwandern, die die Voraussetzungen für die Erteilung einer „Rot-Weiß-Roten“-Karte erfüllen. Ihre Familienmitglieder dürfen auch im Land arbeiten sowie Absolventen einer österreichischen Hochschule, wenn sie einen Arbeitsplatz finden, welcher ihren Qualifikationen entspricht.

Um nach Österreich aus einem Drittstaat einzuwandern, muss man einen Antrag auf Erteilung der sgn. Rot-Weiß-Roten Karte stellen. Auf Grund eines Punktesystems wird festgestellt, ob die Kriterien erfüllt wurden. Wenn Sie also nach Österreich wegen der Arbeit einwandern wollen, können Sie online Ihre Chancen „ausrechnen“. Der Punkterechner dient nur zur Orientierung und das Ergebnis beruht auf Ihren Angaben, welches von der Überprüfung der österreichischen Behörden abweichen kann.

Wenn der Antrag gestellt wird, überprüft das österr. AMS, ob Sie die minimale Punkteanzahl erreicht wurde. Um den Antrag auf RWR-Karte stellen zu können, müssen Sie neben der Punkteanzahl  auch die allgemeinen Erteilungsvoraussetzungen (Einkommen, Krankenversicherung, Wohnung etc.) erfüllen und ein Arbeitsangebot eines österr. Arbeitgebers haben.

Die Anträge können entweder in der österreichischen diplomatischen Vertretung im Ausland oder während des touristischen Aufenthaltes in Österreich gestellt werden. Wer nach der visumsfreien Einreise in Österreich den Antrag stellt, muss das Land nach Ablauf der entsprechenden Frist wieder verlassen, auch wenn der Antrag noch nicht bearbeitet wurde. 

Rot-Weiß-Rote Karte

Diese Bewilligung sieht wie eine Bankomat-Karte aus und ermöglicht dem Inhaber Arbeit und Leben in Österreich. Sie wird für zwei Jahre ausgestellt. Der Inhaber muss aber nur bei einem bestimmten Arbeitgeber arbeiten. Im Falle eines Firmenwechsels, muss er eine neue RWR-Karte beantragen. Den Antrag auf diese Karte können folgende Personengruppen stellen:

  1. Besonders Hochqualifizierte
  2. Fachkräfte in Mangelberufen
  3. Sonstige Schlüsselkräfte
  4. Studienabsolventen/Innen österreichischer Hochschulen
  5. Selbständige Schlüsselkräfte
  6. Start-up Gründer/Innen

RWR–Karte plus

Diese Bewilligung sieht auch aus wie eine Bankomat-Karte  und ermöglicht den Aufenthalt sowie den unbeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Der Inhaber dieser Karte kann den Arbeitgeber wechseln und muss keine neue Karte beantragen. Den Antrag auf RWR-plus können folgende Personen stellen:

Familienmitglieder (Ehegatten und registrierte gleichgeschlechtliche Partner, die beim Antragstellen älter als 21 Jahre sein müssen sowie ledige minderjährige Kinder, inklusive adoptierte- sowie Stiefkinder, welche noch nicht 18 Jahre alt sind).

Arbeitsuche-Visum für Besonders Hochqualifizierte

Als besonders hochqualifizierte Personen gelten jene Drittstaatenangehörige, die zwischen 70 und 100 Punkte haben. Diese Kategorie ist für Top-Manager und andere hochqualifizierte Personen vorgesehen, die noch keinen Arbeitgeber in Österreich gefunden haben. Sie können in der österr.Botschaft das Visum für Arbeitsuche in Österreich bekommen, welches sechs Monate dauert. Wenn diese Person innerhalb von sechs Monaten einen Job findet , dann kann sie im Inland auch den Antrag auf  Rot-Weiß-Rot – Karte stellen. Wer in dieser Zeit keinen Job findet, muss wieder das Land verlassen und kann ein neues solches Visum erst 12 Monate später beantragen. Wenn jedoch ein Arbeitgeber gefunden wurde und den Antrag auf RWR im Land stellt und die Behörde nicht dazu kommt, über ihn innerhalb der Visumsdauer zu entscheiden, muss Österreich wieder verlassen werden und im eigenen Land auf die Bewilligung warten. Dieses Visum kann niemand bekommen, welcher nicht zu den „besonders hochqualifizierten Personen“ gehört.